A Offa macha
       
      Ääner muuß a Offa macha,
      Sella ärn die Loite lacha.
      Denn, wenn a kääner nemme macht,
      Ieber woas werd dann gelacht?
       
      Lacha ies asu gesond,
      A seit aala Zeita schonnt.
      A bereits, bei frieharan Ferschta,
      Gehoart der Norr miet zo a Erschta.
       
      Ar woar der Spiejel ei dar Zeit,
      Woste, wu doas Iebel leit!
      Denn met Witz on Ironie,
      Fuhrte ar die Loite hie.
       
      Zo daam woas zo beseitjan ies,
      Woas Ferscht, - Regierong iebriech lies.
      Frieher schon  ließa die Strenga,
      Ferschta, Offa hänga, - on derhänga!
       
      Kääner wullde eigestiehn,
      Wu die foalscha Frichte bliehn,
      Die, - die  - wenn se on reif on sein,
      Nemme zo vernechta sein!
       
      Drem Ihr lieba offa hoite,
      Watt nee ärn off Zeitgeists Boite,
      Hallt a Spiejel  wetter hie,
      Uufgepoast! Halt blooßiech wie!
       
                                             Erhard Gertler

              Geisterstunde

      Nä, die Welt werd emmer dreister,

      Emmer mähr verwärrte Geister,

      Macha siech doo etza bräät,

      Asu ob’s oalla gutt a tät.

       

      Viela tutt doas Falla jucka,

      Jeder Geist koan em siech spucka:

      „Iech verbesser Oire Welt,

      Wie jedem Änzelna se gefällt!“

       

      Lieber Goot, doas koan doch kääner,

      Versucht hoots doch schon moancher ääner,

      Ar derkannte, wenn ar’s  kunde:

      ‘s woar wie emmer, - Geisterstunde.

                                                Erhard Gertler

            Iech laaf ju

      Wie doas Kendla Englisch lannte,
      Die Mutter moanches Woart a kannte,
      Wie es on sääte: “ I love you!” *
      Hoart se vuller Liebe zu.

      On se Sääte: „ Ju, ju, ju!
      Och, mei Kendla, härch zu!
      Iech laaf fer Diech a ganza Taag,
      A, wenn iech moanches moal nee mag.

      Warscht’n a, wenn iech nee koan,
      A nooch Lost zom laafa hoan?
      A poar Schrietlan blooß fer miech,
      Oder denkste blooß oa Diech?

      Du, iech sä dersch, “ I love you!”
      Mei ganzes Laaba, emmerzu!
      Iech hoff doas Du miech nee vergeßt,
      On a Schrietla fer miech iebrich lest.

      *I lave you = ich liebe Dich

                                    Erhard Gertler

      Die Moansuche


      „A Moan muuß sein! A Moan muuß sein!
      Eher koan woas anders blein!“
      Asu hääßt‘s ei am Sprechwoarte,
      On asu woarsch a o am Pauarnorte.

      A Pauermädla sucht änn Moan,
      Se wiel änn rechtja Pauer haon,
      Dar de doas Wärtschoafta verstieht,
      Weil’s doch etz em’s Erba gieht.

      Off a Hoof gehäärt a Moan,
      Dar zupackt, on dar a woas koan!
      Amoal sahn, - hoot se siech viergenoamma,
      Lett zwee Bewerber zu siech koamma.

      Der Ärschte koam, woar Gott sei dank,
      A hipscher Kalle, oan a schlank.
      Ar sullde etza, ohne Queela,
      Wie‘s derhääme zuging halt derzehla.

      Dar prahlte, wie se spoarsoam wornn,
      Aus iham Hof wär woas gewornn!
      Se hoatta emmer woas eim Toppe,
      Em meißta goabs glä Woassersoppe.

      A Zweeta toat se dann begrissa,
      Änn rechtja Packer, met brääta Fissa.
      Dar säät, ar hätte nie gedoarbt,
      Denn assa muuß, war techtiech oarbt!

      Doo blitzt‘s beim Mädla eim Gehärnne,
      Se sääte: „Woassertärnne, gieh ei die Fernne!“
      On daam Zweeta rief se zu:
      „Bräätfuuß triet azu!“

                                                           Erhard Gertler

               K r o i  z l o a h m

       
      Die Pietsch Karliene woar Kroizloahm,
      Wie se on zom Dokter koam.
      Dar määnte: „ Na, ich wette,
      Da hilft nur noch das Wasserbette!“
       
      Die Pietschen sääte: “ Och Herr Je!
      Fer sechne Nässe bien iech nee!
      Die Foichtiechkäät tutt mier nee tieja,
      Iech kende volls nooch Rhoima krieja!“
       
      Daan Dokter broocht doas nee ei Raasche,
      Ar sproach: „ Doas ies wie nee Massaasche!
      Ich Schwör Ihnen, daß da nichts passiert,
      Wellenförmig wird massiert!
       
      Das hilft! Das hilft! Ich sag Ihnen wie!
      Gleich drüben in der Therapie!
      Und alles, alles ohne Qualen, -
      Nur, -  müssen sie das selbst bezahlen!“
       
      Die Pietschen sprecht: „Du meine Giete,
      Iech hoa doch erscht kä Händtuch miete,
      Herr Dokter, nä! Nä, ach Herr je!
      On laar ies a mei Portmonnee!
       
      Iech hoa känn Zeetscher nee fer‘s Assa,
      Der Hausarzt hoot schonn oalls gefrassa,
      Der Augaarzt mer’s letzte noahm,
      Se macha miech nooch Boitelloahm!“
                                                           Erhard Gertler
       
       
      Gedanken zum Neuen Jahr
       
      Nun haben wir es, das Neue Jahr,
      Wir wissen, wie das Letzte war,
      Hoffen, was auf uns zukommt,
      Am Ende uns auch wieder frommt.
       
      Verborgen sind noch all die Tage,
      Der Freude, so wie auch der Plage.
      Doch das ist richtig, das ist gut,
      Es nimmt zum Dasein nicht den Mut.
       
      Denn Generationen, die zuvor,
      Sie sangen stets im gleichen Chor:
      „Wie wird es werden? Wie wird es sein?
      Was fahren wir am Ende ein?“ –
       
      Sie konnten Glück und Plag nicht wenden,
      Denn alles lag in Gottes Händen.
      Sie haben gläubig zugepackt,
      Ihr Wohl, - und Übel eingesackt.
       
      Am End‘ des Jahres: „ Ei der Daus!“
      Schüttete man alles wieder aus.
      Und übrig blieb, das Gute nur,
      Es gab der Zukunft eine Spur.
       
      Wie könnte sonst die Welt besteh’n,
      Wenn wir nur auf das Schlechte seh’n?
      So hoffen wir, das ist doch klar,
      Auf Gutes nur, in diesem Jahr.
       
                                                 Erhard Gertler
       
       
         Der Heimat ewig sein
      Wie gerne haben wir gesungen,
      Wie froh und helle hatt’s geklungen,
      Ein fröhlich weihnachtliches Lied,
      Das uns von der Heimat blieb.
       
      Wir mußten uns gefallen lassen,
      Dem neuen Trend doch anzupassen,
      Daß das, was in den Herzen saß,
      Beginnend neue Zeit uns fraß.
       
      Zwangsläufig haben wir es geduldet,
      Schmerzlich der neuen Zeit geschuldet,
      Und hofften, daß es Fünkchen doch,
      Noch übrig blieb von unserem Joch.
       
      Der Zeitenwind, er fegte keck,
      Heimatgefühle, - Liebe weg.
      Er hat im tiefsten uns verletzt,
      Auf kaltes Eis uns schier gesetzt.
       
      Und wenn wir heut die Wärme suchen,
      Eishöhlen, vermeintlich wir verbuchen.
      Doch unter Eis, und auch Gestein,
      Schlummert der Heimat ewig Sein!
       
                                                  Erhard Gertler
       
       
         Aus dem Bauch heraus
       
      Stellt Euch vor, in   dieser Welt,
      Ein Politiker hätte sich hingestellt,
      Kurz abgelesen, von dem Blatt:
      „ Es findet unverzüglich statt!“
       
      Die Heimkehr , aller, aller Lieben,
      Als sechsundvierzig sie vertrieben!
      Ohne Auto sähe man sie ziehen!
      Zu Fuß! Zu Fuß! Und auf den Knien!!
       
      Die Erde hätten sie geküßt!! –
      Wenn es nur einer Heute wüst‘, 
      Wie groß die Sehnsucht jener Zeit,
      Wie groß die Hoffnung, und das Leid!
       
      Und, - stellt Euch vor, Ihr hättet, - auch,
      Die Sehnsucht so in Eurem Bauch?
      Wenn Ihr die Wahrheit schlicht vermeidet,
      Und über Gestern schnell entscheidet!
       
                                                             Erhard Gertler
       
       
           Die Angel fehlt
       
      Papa, Mamma nichts erzählt,
      Uns auch nicht damit gequält,
      Wusten, - daß wir darüber lachen,
      Denn es waren doch ihre Sachen.
       
      Unsere nur, sind es zu leben,
      Und nach vorwärts doch zu streben!
      Schlimmes jetzt doch nicht begegnet,
      Uns, - von der Zukunft so gesegnet.
       
      Überholt wohl sehr geschwind,
      Jene, die gesegnet sind.
      Im neuen altbekannt‘ Gerangel,
      Nur für die Tiefe fehlt die Angel.
                                                    Erhard Gertler  
       
       
               ’s werd gefähliech
      Gefärhliech werd’s, Ihr lieba Loite,
      Met elektronscha Autos hoite!
      Die stecka, on doas ies die Komik,
      Doarch on doarch, vuul Elektronik.
       
      Die foahrn met Strom, ganz vu allääne,
      Menscha zom lenka gibt’s doo kääne.
      Wu De hie wellst, kemmst De hie,
      Die Frooje ies blooß wenn, on wie?
       
      Wenn? - Nu, - wenn die Sonne schännt!
      Wenn’s Wendroad gieht, -  ma’s a derkennt,
      Strom gibt’s danne vu beeda Seita,
      On kä Mensch watt doas bestreita.
       
      Wenn’s on weder brieht, nooch bleest?
      Ma siech off’s Gas on Woasser treest.
      Vu Beedem hoot’s scheint’s nooch genunke!
      Wenn’s kääner oabdreht, glieht der Funke.
       
      Bloos, -- wenn setzt ma siech ei‘s Auto nei?
      Wenn die Sonne schännt, on’s bleest derbei?? –
      Ies denn doas Auto a geerdet? –
      Der Fuußgänger v‘leicht nooch gefährdet?? –
       
      Fährt off der Stroaße doo on datt,
      Asu a Auto! – Macht Oich fatt!
      Wie sool doas Auto ons derkenna?
      Ons V‘leicht nooch iebra Haffa renna?
       
      Ihr Loite, sei mer etza ährliech,
      Es woar emmer schon gefährliech.
      Die Techniker waarn siech nooch schenda,
      Ons watt vielleicht kä Auto fenda.
       
                                                   Erhard Gertler
                        
       
                Foalsch geseet
      Gell, Ihr Loite, iebernacht,
      Hoot moancher siech dervo gemacht?
      Eigeschloon hoots links on rechts,
      Em liebsta ma’s nee wessa mechts.
       
      Es hoift siech on werd emmer mähr,
      War, - on wie viele, doas ies schwär.
      Verbendonga, seit Joahrn on Wocha,
      Die sein plotze onderbrocha.
       
      Wenn ma rechtiech ieberleet,
      Wie ma die Menscha hoot verstreht,
      Wie ma se se on hoot gutt vertäält,
      Weil woll die Zeit ju oalles häält. –
       
      Etza sei mer oalle aalt,
      Merka woas zom ganza fahlt,
      Moanchmoal ies es woll zom schrein,
      Wu mier geseet, kunt mer nee blein.
       
      Ärgendwie sucht jeder a,
      Wu gieh iech hie, wu komm iech har?
      Eim Steppel siech dann oalles dreht,
      Pech gehoat, -  woll foalsch geseet? –
       
       
                                                    Erhard Gertler
       
       
        Die Iebernahme
       
      Vu siebzich Joahrn, asu koans koamma,
      Wurd fremdes Land doo iebernumma.
      Vu Menscha, die da kamm geseet,
      Geschweige Kartoffan on geleet.
       
      Die erschte Ärnte woar woll oalla,
      Rään doo doch ei a Schooß gefoalla.
      Woas oa Erfoahrong schon seit Jaohrn,
      Vu andarn wurd‘s etz eigefoahrn.
       
      On war siech nooch derrennarn koan,
      A Steckla Land wullt jeder hoan!
      Der Honger gruuß, ma watt’s  a  schoaffa,
      Schoine on Kaaler vuul zoroffa.
       
      Bloosiech die Oarbt, die miet verbonda,
      Met dar Generatione siech geschonda,
      Die haotte ma nee iebersahn,
      Die kunde kääner wetter gahn.
       
      Zoo allem, on zom noia Triebe,
      Gehäärt  zo erscht die Heimatliebe,
      Denn die braucht Zeit, die baucht a Ruh,
      On geschechtlieche Woahrhäät noo derzu.
       
                                                    Erhard Gertler
       
       
       
                 E i n e  F r a g e
       
      Die Antwort möchte ich gerne wissen,
      Die, nach dem menschlichen Gewissen,
      Von denen die so wild es trieben,
      Mit Jenen die damals vertrieben.
       
      Die Rache, die damit verrauscht,
      Ward in Befriedigung sie getauscht? -
      War’s nicht auch Schuld die in sich fraß,
      Wenn man vom Unrecht was besaß? -
       
      Ihr glücklich, neue Generationen,
      Solltet nicht Gefühle schonen,
      Wenn nur ein Funke sich anbahnt,
      So sprecht es aus, was Ihr geahnt!
       
      Er trägt echter Versöhnung bei,
      Macht Vergangenheit und Zukunft frei.
      Wenn ehrlich Ihr zurücke  schaut,
      So habt Ihr nicht auf Sand gebaut.
       
      Mit Gesten, wo man Hände streckt,
      Wird gern Vergangenheit zugedeckt.
      Nur wenn Ihr in die Tiefe geht,
      Das Herz des Menschen es versteht.
       
                                                             Erhard Gertler
       
       
                Kleinenglisch
       
      Szepan und Gellesch* noch bekannt,
      Als in den Westen ich verbannt.
      Die Fußballhelden jener Zeit,
      Kannte man noch weit und breit.
       
      Und so fummelten mit Flummis,
      Stoffbällen und anderen Gummis,
      Fußballspielend wir uns zusammen,
      Wir, die in die Fremde kamen.
       
      Ja, der Fußball so verband,
      Uns, die Anderen unbekannt.
      Eng der Kreis, und auch Gemeinde,
      Im Spiel nur Freunde, keine Feinde.
       
      Uns verband des Sieges Ziel,
      Es war immer nur ein Spiel.
      Nein, wir haben uns nicht gekeilt,
      Denn die Freude ward geteilt.
       
      English-Football war noch in,
      Und es hatte seinen Sinn,
      Spielend Freunde zu gewinnen,
      Wandlung zu ganz anderen Sinnen.
       
      So blieb mir noch lange Frisch,
      Der Spitzname  „ Kleinenglisch!“
      Jene kleine Kurzvorgabe,
      Für die rechte Torvorlage.
       
      Mitgespielt, angespielt,
      Das gewünschte Tor erzielt,
      Denn es galt nicht nur der Schütze,
      Der Mitspieler war auch was nütze.
       
                                        *Spieler aus der Breslau Elf von 1937
      Erhard Gertler
       
       
                Boada giehn
       
      Boada giehn, doas woar schien,
      Zo Fusse muße ma nooch giehn,
      Ob zom Flusse oder Baache
      On es woar oam Sommertaache.
       
      Sport woarsch nee, wie ma‘s on nannte,
      Wenn ma zo am Teichla rannte.
      Siech met Woasser zo bespretza,
      Sullde  bloos der Frääde netza.
       
      Moanchmoal mußte ma a battan,
      Wäjer  ’m Beßla Hundepattan,
      Weil ma sulld Derhääme blein,
       ’s hoatte  Oarbt, die mußt etz sein!
       
      Kund ma oaber wieder fatt,
      Woar ma glei beim Fetzla datt,
      Machte siech fex wieder noss,
      Ging’s  Oich nee a asu, nee? Woas?
       
      Erhard Gertler
       
       
       
                N e i n
      Nein, der Mut, er fehlte nicht,
      In die Heimat bald zu reisen,
      Denn die Grenzen waren dicht,
      Und der Vorhang schier aus Eisen.
       
      Tausendfach war Mut und Druck,
      So ein Bollwerk zu durchbrechen,
      Er schien für Andere, wie ein Ruck:
      „Die, die wollen sich nur rächen!“
       
      Leidgeprüfte rächen nicht, -
      Tragen das erzwungene Los.
      Im Nachhinein, sie brechen nicht,
      Ein Versprechen das einst groß.
       
      In der Charta, schon vor Jahren,
      Die auch allen wohlbekannt,
      Konnte jeder doch erfahren,
      Wo der Geist Vertriebener stand.
       
      Warum nur ward so lang verwehrt,
      Heimatbild und Sehnsucht stillen?
      Daß man nur einmal wiederkehrt,
      Lang gehegte Träume zu erfüllen!
       
      Nicht die Scheu war es zu reisen,
      Denn verschlossen war das Tor,
      Heut was Anderes zu beweisen,
      Kommt uns doch ganz seltsam vor.
       
                                                    Erhard Gertler
       
       
       
      Hellmutlas Maisbruut-Soaftschniete
       
      Honger woar vu siebzich Joahrn,
      A Jeder hoot’s woll a derfoahrn,
      Doas Kechaschränkla doas woar laar,
      On Honger hoatt’s Hellmutla a.
       
      Nu, die Mutter, die woar fatt,
      Hellmutla eim Stiebla datt,
      Allääne, ganz ei daam Gebiete,
      Hongerte nooch ääner Schniete.
       
      Ar doarchsteeberte die Ecka,
      Woas assboares nooch zo entdecka.
      Woas ar heimliech kennt genessa,
      Die Mutter brauch doas nee zo wessa.
       
      ’n Ronke Maisbruut, a Bessla Soaft,
      Woar’sch, woas ar avier geschoafft.
      Kamm doas ar doas Bruut beschmäärt,
      Hott es doo a schonnt malläärt.
       
      Die Mutter koam zo Terlla* rei:
      „Jesses! Jesses! Nä, du hei!
      Verstecka blooß woar sei Gedanke,
      Die Ronke off der Fansterbanke!“
       
      Draußa off daam Fansterkoppe,
      Gings doarch Hellmutla sämm Koppe.
      Der Fansterfliechel dar blieb uuf,
      On die Mutter koam glei druuf.
       
      Se schempfte nee, - toat blooßiech flenna! -
      Hoarttiech zom offna Fanster renna,
      Hellmutlan die Ronke gaan,
      On ei glecklieche Aaja sahn.
       
      Ihr lieba Kender, - war a eßt,
      Ihr off der Pizza woas vermeßt!
      Denkt, Hellmutla fer seine Kroaft,
      Hoatt blooß a Beßla Riebasoaft! *     = Zuckerrübensaft
       
       *Terlla = Türchen, auch Gartentürchen
                                                                  Erhard Gertler             
       
       
      Von der Geschichte überfahren
       
      Warum wollt man es uns nicht gönnen,
      Geschehenes ganz klar zu nennen,
      Es geschah doch ganz, ganz nah,
      Und dauerte so viele Jahr'?
       
      Recht war Recht, als es zustand,
      Egal, wer es als Recht empfand!
      Doch dulden, dulden die Devise,
      Auf der Geschichte neuen Wiese. –
       
      Denn verbrämt ward das Begehren,
      Dem Menschen Heimat zu gewähren,
      Ob er schuldig oder nicht:
      „Pech gehabt!-  Kind der Geschicht‘.“
       
      Gott sei Dank, in heutiger Zeit,
      Ist allenthalben man bereit,
      Menschen an den Ort zu führen,
      Und sie am Gescheh’n zu rühren.
       
      Heut zeigt mit beherztem Worte,
      Rührend  man auf viele Orte,
      Doch wo sind wir, die in den Jahren,
      Immer doch vor Ort auch waren? –
       
      Laßt uns endlich, endlich spüren,
      Das wir nicht ein Leben führen,
      Nun, nach über Siebzig Jahren:
      „Von der Geschichte überfahren!“
                                                     Erhard Gertler
       
       
       
      Nicht nach dem Wunder langen
       
      Nicht nach dem Wunder langen
      Wie nur soll ich das versteh’n? -
      Aus der Heimat mußt ich geh’n
      Nicht in ein gelobtes Land,
      Das ich einstens doch vorfand.
       
      Ungewiß war erst die Reise,
      Auf gewaltig, -schrecklich Weise!
      In der Freiheit angekommen,
      War mein Herz doch sehr beklommen.
       
      Bin willkommen ich wohl hier?
      Wo ist der Menschen Mitgespür?
      Trümmer, - Elend, - in der Zeit,
      Sah ich bei Anderen, weit und breit.
       
      Doch ich spürte bald Versteh’n:
      „Laßt uns in Not zusammenstehn’n,
      Beinah eben sind wir doch,
      Gemeinsam tragen wir das Joch!
       
      Bauen wir auf, was jetzt kaputt,
      Vergangenheit bleit unter Schutt!“
      Fragen nicht: „ Warst Du auch Schuld?
      Bauen wir auf mit viel Geduld!“
       
      Nun, wir haben es geschafft,
      Wenn auch manche Wunde klafft.
      Verzeih’n, - versteh’n muß man im Leben,
      Ja, so ist es nun mal eben.
       
      Rufen wir dem Menschen zu,
      Daß er Gleiches heut auch tu!
      Neu bei sich dann anzufangen,
      Und nicht nach dem Wunder langen.
       
                                                 Erhard Gertler
       
       
      Papa Gnädiech
       
      Papa Gnädiech woar a guuder Scheff,
      Daan kunda oalle leida,
      Denn bei jedem noia Treff,
      Toatar doas Selbe woll entscheida.
       
      Wenn ardoo freete, wie’s on gieht?
      Doo hoartar emmer wieder „gutt!“.
      Vusalber siechswoll dann verstieht,
      Es gieht halt oalla emmer gutt.
       
      „Doas fräät miech!“ Säätar, on ar strahlte,
      ’s woar emmer a sei selber Soatz,
      Wenn nu halt kämm doo a woas fahlte,
      Hoatts woll fer Metlääd a kännPloatz.
       
      Wie arnoiliechäm die Frooje stellte,
      Wie’s  ’mwollgieht? ’s kloang a echt!
      Siech sei Gesechte schon derhellte,
      Säät darmet bettrer Mine : “ Schlecht!“
       
      Der Scheffdoas Wärtla ieberhoarte,
      Ar schien, wie emmer siech zofrään,
      Wie emmer koama seine Woarte:
      „ Doa sfräät miech!“Toatar wieder sään.
       
       
                                                    Erhard Gertler
       
           …. On nee vergassa
      Wie sellmer denn woas wettergaan,
      Wenn’s kääner häärn wiel, kääner sahn?
      Wenn kääner nooch woas wessa wiel,
      Es macht’s  aoalla scheintszo viel.
       
      Mier kämpfa, jeder mag’s woll fiehla,
      Wie Don Quixote, - gejen Miehla. -
      Es sein nee oalles Härrngespenste,
      Verschrob’ne, oder blooeDenste!
       
      Es sein derlaabte biese Zeita,
      Die met Derrennerong siech streita.
      On die nee weg zowescha sein,
      A Laabalang se oallablein.
       
      On wenn mer doodervoone sprecha,
      Wiel kääner wolldoowoa suufrächa!
      Behitta, wellmer, wenn merschkenna,
      Dermiet die Menscha siech besenna!
       
      Gitt’swu a ährlieches Gerechte,
      Ei onserhoitja Weltgeschechte,
      Doo muuß es kloar on deutliech sään,
      Woas de possiert, ies nee zoträän!
       
      Lott’snemme zu! Behaalt die Ruh!
      Derzehlts ock, emmer, emmer zu!
      Bes jeder’s ei siech neigefrassa,
      Es woar asu, on nee vergassa.
       
                                                Erhard Gertler
       
       
              H a n t i e r i e r*
       
      Suchste änn Hantierier,
      Hoastes hoite werkliech schwer.
      Kemmt ar hoit nee, kemmt ar Manne,
      Gestarn hätts a’n doch schon ganne.
       
      Na, iech wiel doo goar nischt sään,
      Wenn ar kemmt, tutt ma siech frään.
      Denn ar gieht met vuuler Stärke,
      Etz daam Denge glei zo Werke.
       
      Woas ar braucht hoot ar oam Wääne,
      On ar schmeßt a glei die Bääne,
      Rään oals ’m oam Oarsche brieht! -
      Blooß, - ar hoot känn Hoammer miet!
       
      Also sitt ma’n glei druuf tärma,*
      Schnell zorecke zo der Färma.
      Oder gaor off oalle Fälle,
      Zo der letzta Oarbeitsstelle.
       
      Ärgend wu watt da schon sein!
      Da gruuße „Hoammer“ muß doch sein!
      Hoot ar’n danne, därft der lacha,
      Muuß ar erschte Friehsteck macha.
       
      Danne haut ar techtiech nei,
      Iebroal doo bräckelt ’s glei!:
      „ Nä, verflucht, woas ies denn etza!!!?
      Doas Mauerwerk doas meß mer stetza!“
       
      Also hoattiech, eim Galopp,
      Haut dar Kalle wieder ob.
      Stetza hulla wiel da Trempel*,
      On derzu nooch andarn Krempel.
       
      Daan ar braucht, wenn ma hantiert,
      Dermiet nischt schlemmeres possiert!
      Bei a Oarbt nooch der „BauO,“*
      Doo Braucht ar  oalles sowieso!
       
      Wie’s wätter gieht, kennt Ihr Oich denka,
      Daan ganza Droasch war iech Oich schenka.
      Blooß, off der Rechnong „Schookschwernoot!”
      ’s goar ooßiech viele Stonda hoot. –
       
      *Hantierier= Handwerker
      *tärma= türmen= abhauen
      *Trempel=Ungeschickter Mensch o.a. schwerfällig auftretende    Weibsperson, dicke Suppe u. a.
      *BauO= Bauordnung
       
                                                                                     Erhard Gertler
       
       
       
      Andere Verhältnisse
       
      Kein Handy, kein Ziel,
      Kein Wissen wohin,
      Der Menschen so viel,
      Verwirrt war ihr Sinn.
       
      Geflüchtet, vertrieben,
      Vor Gewalt, Diktatur,
      Von anderen getrieben,
      Das war unsere Spur.
       
      Zu retten das Leben,
      Das arme, das nackte,
      War einst unser Streben,
      Nur das man es packte.
       
      Verglichen mit Heute,
      Was Herzen bewegt, -
      Unser Los der Zeit Beute,
      Das keinen erregt. -
       
                             Erhard Gertler
       
       
       
                  M i t b r i n g s e l
       
      Den Wohnungsschlüssel mitgebracht,
      An den Haustürschlüssel ward gedacht,
      Wer, wer kann uns schon verwehren,
      Wieder einst zurückzukehren?
       
      Denken die, die heut vertrieben,
      Weil sie Ihre Heimat lieben,
      Denken die, die heute flieh’n,
      Und in ferne Lande zieh’n.
       
      Alles wird vorüber geh’n,
      Nichts bleibt so, wie es gescheh’n.
      Sie leben von dem Hoffnungstraum,
      Nie, nie wird er uns zu Schaum.
       
      Doch, so lang wir akzeptieren,
      Unrecht als Folge auch kaschieren,
      Meinen, daß es rechtens ist,
      Wenn mit gleichem Maße man mißt?
       
      Die Lawine niemals stoppt,
      Das Geschehen in sich floppt,
      Wird es keinen Schlüssel geben,
      Zum menschlichen Zusammenleben.
       
                                                Erhard Gertler
       
           
       
        Heefliechkäät
       
      Gutt erzähn, muuß ma sään,
      On es tutt a oalle frään,
      Wenn  Kender siech benahma wessa,
      Heefliech sein, a froindliech grissa.
       
      Wie dar Froind, dar de vertraut,
      Off der Strooße uufgeklaut,  - *
      Miete hääm, ei’s Stiebla koam,
      Siech a anständiech benoahm.
       
      Bevor ar neiging, korz derfiere,
      Kloppt ar heefliech oa die Tiere,
      Kamm die die Schuhe oabgekroatzt,
      Woarsch s schonn aus’m rausgeploatzt:
       
      „ Pappa, Mamma, loon schinn grissa,
      On se mechta ganne wissa,
      Wie’es Ihn denne asu gieht,
      Weil ma siech doch nemme sieht?“
       
      Die andarn Äldarn, die erstaunt,
      Hoan a Lob siech zugeraunt,
      Es loach an rechtiech off der Zonge,
      Doas ies a gutt derzäner Jonge!
       
      Ihr Siehnla kunde ’s  Maul nee haala,
      Säät verärjert zo daan Aala::
      „s‘ies  goar nee woar, dar scheint besoffa!
      Iech hoa a groade erscht getroffa!
       
      Die Äldarn  kenna ’s ju ne wessa,
      Dar Kalle ies  ganz schien geressa!“
      Asu iss, wenn Heefliechkäät dernaaba gieht,
      Wenn ma se äbens nee recht verstieht..
       
      Erhard Gertler               *uufgeklaut = zufällig getroffen
       
       
       
       
       
             Heimatsymphonie
       
      Es war ein Traum, so schön wie nie,
      Es war die Heimatsymphonie.
      Der erste Satz, in tausend Bildern,
      Konnt‘ die Erinnerung mir schildern.
       
      Mit jugendlichem, frohem Klang,
      Bis hin zum großen Festgesang,
      Bewegte sich der Töne Lust,
      Und wollte sprengen mir die Brust.
       
      Dann folgte ein Adagio,
      Besinnlich, ruhig, doch noch froh.
      Im nächsten Satz, der Töne Reibung,
      Erinnerte an die Vertreibung.
       
      Erst im Furioso, im Assai,
      Da wurden die Gefühle frei.
      Im Largo brach der Schmerz sich bahn,
      Intonierte so den ganzen Wahn.
       
      Im wilden Presto endet sie,
      Die wirr erträumte Symphonie.
      Ein Traum nur, wie man merken kann,
      Wer nimmt sich dieser Aufgab‘ an?
       
                                                                  Erhard Gertler
       
       
            Vu siebzich Jaohrn
       
      Vu siebzich Joahrn, oam achta Mai,
      Der gruuße Krieg, a woar verbei,
      Verbei nooch lange nee die Nuut,
      Doas Elend doo, on viele tuut. 
       
      ’s woar Waffenruhe, seit Metternacht,
      Der Sieger wur Besatzongsmacht.
      Die Menscha wurda Vogelfrei,
      Zo häärn, a moancher Hilfeschrei.
       
      Goar viel, goar viel gäb’s zo derzehla,
      War’s koan, watt niemandan nee queela.
      Ar meßte blooß, ganz ohne schenda,
      Hoit änn dar zuhäärt halte fenda.
       
      Änn fenda, dar de dann verstieht,
      Wie’s äbens ämm besiegta gieht.
      Dar a begrefft, wie dar siech fiehlt,
      Wenn oalls kaputt, on a verspielt.
       
      Es kennt fer a nee Mahnong sein,
      ’s watt oalls  nee emmer sasu blein,
      Denn war nee aus Vergangnem lernnt,
      Hoot siech vum Hoite schon entfernt.
       
                                                                 Erhard Gertler
       
       
        Vergessene Sehnsucht
       
      Der Mensch in heut’gen Zeiten,
      Er sucht vermehrt die Weiten,
      Denn in der Ferne liegt das Glück,
      Die Heimat läßt er leicht zurück.
       
      Verloren geht so das Gespür,
      Das Nestgefühl bleibt vor der Tür.
      Ein Wurzelstück es geht dahin,
      Es schwindet auch der Seele Sinn.
       
      Sie, die stets mitgefühlt,
      Ihr wird die Tiefe weggespült.
      Verflacht ist alles, was verspürt,
      Und in das große Nichts geführt.
       
      Das Wort Sehnsucht ist verbannt,
      Gar Heimat-Sehnsucht unbekannt.
      Der Mensch, der Empathie besessen,
      Hat sie im neuen Geist vergessen.
       
       
                                                            Erhard Gertler
       
       
            Friehjoahrsch Dank
       
      Doas Friehjaohr kemmt, die Triebsoal nemmt,
      Die Sonne watt es macha.
      Doas erschte Bliemla lecht bestemmt,
      Mier kenna wieder lacha.
       
      Etz watt’s warn, doaß war mer sahn,
      Denn oalle Knospa watta druuf,
      Wella ihr bestes wieder gaan,
      On ploatza uuf.
       
      ‘n rechtje Pracht watt wieder sein,
      Wie oalle Joahre wieder.
      On wenn mer nooch derbeine sein,
      Doo knie mer dankboar nieder.
       
      Du lieber Goot machst oalles noi,
      Vu äänem Joahr zom Andarn.
      Du bleist halt Deiner Lienje troi,
      Du lest nee met Dir handan.
       
      Du zeichst, wie onse Welt sein muuß,
      Die mier zogronde rechta,
      On trotzdaam lest De ons nee luus,
      Tust wieder noi se rechta.
       
      Half ons derhaala on a nenna,
      Woas Du ons met der Welt geschankt,
      On loas ons oalle a derkenna:
      „Woas ma gekriecht, fer doas ma dankt!“
       
       
                                                                Erhard Gertler
       
           Zugbekanntschoaft
       
      Franze woar off ääner Reise,
      Met der Boahne, zo ginstjem Preise.
      Ar hoatte goar änn Fansterploatz,
      On eim Obtääl woar nooch viel Ploatz.
       
      A jonger Moan koam ei‘s Oabtääl,
      Quietschvergniecht, hoatt woll änn Krääl.*
      A Zweeter koam nooch reigeschooba,
      Ar toat daan schiena  Plaotz doo loba.
       
      On Beede stellta siech glei vier! -
      A Jeder woar a huches Tier!
      Der ääne woar a Theologe,
      Der Andere a Biologe.
       
      Bloß Franze wurde schonn ganz klään,
      Woas sullde dar etza doo sään?
      Ar iebersoach die“ huche“ Looge
      On stellt siech vier oals  Backteriologe.
       
      Nä, woar doo die Frääde gruuß,
      Oalles studierte! - Etz woar woas luus!
      Jeder derzahlte woas ar machte,
      On Franzla schonn eim Stella lachte.
       
      Wie dar dann oa der Reihe woar,
      Doo stellt ar sei Berufsbeld kloar.
      Korz on bendiech säät a schnelle:
      „Bäckergeselle!“
       
      *Krääl =Kratzer, im Volksgebrauch auch angeheitert
       
                                            Erhard Gertler
       
       
               G e d a n k e n
       
      Was wird die Geschichte sagen,
      In mehreren Hunderttausend Tagen?
      Was, ja was wird man einst lesen,
      Wie es wirklich ist gewesen?
       
      Wie wird sich Geschichte häuten,
      Die Vergangenheit dann deuten? –
      Nur, wenn  wir sie jetzt erfassen,
      Sie wahrhaftig hinterlassen;
       
      Nur, wenn wir sie nicht beschönen,
      Menschlich Leid auch nicht verhöhnen,
      Selbst auch sagen, klipp und klar,
      Und nicht sagen: „ Ach, Gott, das war!
       
      Ach, wir leben doch im Heute,
      Nicht im Gestern, liebe Leute!
      So was wird nicht mehr passieren,
      Jemals Heimat zu verlieren!“
       
      Das kann Anderen nur gesche‘n,
      Wie jetzt in der Welt zu se‘n.
      Wir, - haben nach Zeit und Stunden,
      Die Unmenschlichkeit verwunden.
       
      Doch, die Steine werden sprechen,
      Das Wahre, - vom Unwahren  brechen,
      Mancher Stein ist noch zu finden,
      Wer ihn sucht, der wird ihn finden. –
       
                                                  Erhard Gertler
       
       
       
       
               O a b g e ä r n t
       
      Etz koan ma siech zor Ruhe setza,
      Ma brauch kä Woasser nee verfletza,
      Ma brauch nee off die Därrde haan,
      Na, etz watt’s waan. –
       
      Der Goarta dar ies oabgeärnt,
      Die Schwoalba hoan siech a verzwärnt,
      Es werd a fenster breits eim Nu,
      Na, etz werd Ruh. –
       
      Ma koan die Äppel a schon pflocka,
      Brauch siech zom Foallobst nemme bocka,
      Koan langsam ieber a Roasa giehn,
      Na, etz werds schien.-
       
      Verbei die ganze Schenderei,
      Doo ei dar klääna Gärtnerei,
      Ma koan ganz sachte siech verhaala,
      - Bloos, -  watt äm nee woas fahla? –
       
                                                                   Erhard Gertler  
       
       
       
        ’s ies oalls amoal gewaaßt
       
      Iech hott a kläänes Mopedla,
      Doas kriecht iech ärgend wu halt har,
      Doas lief on lief ganz ohne Zweifel,
      Boarg uuf, Boargob, rään wie der Teifel.
       
      Broocht frescha Wend mier em die Noase,
      Moanchmoal hoppte es wie a Hoase,
      On blieb‘s a  äämoal plotze stiehn,
      ’n klääne Pause, dann toats giehn.
       
      Woas meines Voatersch Pfardla woar,
      Woar äbens mei Mopedla, nu kloar.
      On Beede hoatt mer ungebonda,
      Zom schnella Laaba, hiegefonda.
       
      Beede hoa mersch huuchgehaala,
      Es toat oam Tempo ju nee fahla,
      A jeder hoatte ei jerr *Zeit,
      Die eigene Geschwendigkeit.
       
      Wenn mier hoit ieber Beede lacha,
      Woas sool doas Mopedla  doo macha,
      Iech koam  met daam a vu der Stelle,
      On moanchesmoal goar viel zo schnelle.
       
      Goar schnelle a verfliecht die Zeit,
      Denkt ma zorecke scheints woll weit.
      Met Beeda wurd die Zeit doarchraast,
      On oalles ies amoal gewaaßt.
                                                                   Erhard Gertler  
       
       
            Es ies verflimmt
       
      Nä, wie schien ies doch a Rään,
      Mechte woll a jeder sään,
      Wenn ma lange druuf gewatt,
      A geboarmt on woll gebatt.
       
      Blooß wenn ma gehäckelt hoot,
      Nä, verflimmt! Schook schwääre Not!
      Hoot ar doch, foast ieber Nacht,
      Oalles wieder Plott gemacht.
       
      Also fengt ma wieder oa,
      Bockt zor Arde siech halt roa,
      Macht me’m Häckla oalles locker,
      Gitt a Pflänzlan wieder Zocker.
       
      Loft sella se halt ornd’liech krieja,
      Siech doch nee zor Arde bieja,
      On ma fräät siech: „Och wie schien!“
      Wie dernooch se wieder stiehn.
       
      Die Sonne watt’s schon wieder macha,
      Lett a jedes pflänzla lacha,
      Dervoone ies ma ieberzoicht,
      Bes oalls wieder eigetroicht. -
       
      Danne giehts vu vanna luus,
      Rään doch wieder koamma muuß,
      On ma fräät siech wenn ar kemmt,
      Dann sucht ma’s Häckla, ’s ies verflimmt.
                                                    Erhard Gertler
       
       
       
       Himbäärsoaft
       
      Frescher, kiehler Himbäärsoaft,
      Dar derfrescht, gitt wieder Kroaft.
      Litterweise hoats zo noascha,
      Aus der Muttersch Essichfloascha.
       
      Se hoat techtiech eigescherrt,
      Wenn die Sonne brieht on derrt.
      Kääner sool vu Doarscht vergiehn,
      ' s hoat genung eim Kahler stiehn.
       
      Ohne ärn gruuß uufzotescha,
      Koan ma oalls siech salber mescha.
      Himbäärsoaft on Plumpawoasser,
      Macht die Kehle wieder noasser.
       
      Schmecka tutts halt emmer priema
      On es kost erscht kamm änn Biehma.
       Nababei iss a gesond!
      Na gell ocke, doas woßt' der schonnt?
       
      Himbäärwoasser leest bequeem,
      Emmner nooch a Doarschtprobleem.
      Denn wenn die hääßa Taage komma,
      Spoart kääner, es werd bloos genomma.
       
      Na, prost Ihr Leute! Schenkt ock ei!
      ' n Moade hoats woll nee derbei.
      Wenn on tatsächliech, - nä verpocht!
      Dann iss se oafangs mietgekocht.
                                                               Erhard Gertler
       
       
           Johannesfoier
      Es brieht! Es brieht! Es brieht!
      Kommt ock baale oalle miet!
      Datte, datt, da helle Schein,
      Muuß doas Johannesfoier sein.
       
      Nä, asu a gruußes Foier,
      Duuba off daam Barje hoier !
      Nahmt die aala Baasem miet,
      Kommt ocke! Es brieht! Es brieht!
       
      Muusiech sools glä datte haon,
      Tanza koan etz Weib on Moan;
      Derbeine schiene Lieder senga
      On aach iebersch Foier sprenga.
       
      Lott Euch doas blooß nee entgiehn,
      Hente werds goar roasniech schien.
      Hente werd getanzt gelacht,
      Denn es ies Johannesnacht.
       
      Kommt ock oalle, wie der seid!
      Etza ies doch Sommerzeit.
      Kommt ei Lottscha, kommt ei Pootscha,
      Oaber kommt mer ruff gelootscha!
       
      Lang ies der Taag on korz die Nacht, -
      Wenn vum Traame Ihr derwacht,
      Weßt der wie ma’s macha sool, -
      Blooß Ihr merkt, es woar amoal.
                                                Erhard Gertler
       
       
      Die Ährforcht  ver‘m Telefon
        
      Nä, - woas iech fer Ährforcht hoa,
      Muuß oa’s Telefon iech droa.
      Denn me’m entfernta Gejenieber,
      Reed iech Huuchdoitsch, Du mei Lieber!
       
      Sä ganz fräädiech: „ Gutten Tach!
      Nein, asu woas! Ach, ach, ach!
      Ihnen gieht es hoit nicht gutt?
      Nein, wie leid mier doas doch tutt!
       
      Ach, Sie haben sich blooß verkiehlt? -
      Ja, ich wääß wie ma sich fiehlt. -
      Nehmen Sie denn auch Medizin? -
      Die ist gutt? - Na, doas ies schien!
       
      Na ja, - na, wenn’s halte zwickt,
      Ist man fruh, wenn man was kriggt.
      Muß man doch bei allen Quaalen,
      Oalles  salber hoit bezahlen.
       
      Denn der Arzt verschreibt ju nischt,
      Wenn’s änn a Bessla  blooß  derwischt.
      Bes ma a Koop  onderm Arme träät, -
      Dann iss’ zu spät. –
       
      Na,-  ich wollt ja blooßiech  häärn,
      Wie’s Ihnen geht on will nich stäärn.
      Lassen Se siech ock besser waan,
      Bis zum nächsta  Wiedersahn!“
       
      Asu giehts bei mier oam Telefone zu:
      Datt  sprech  iech fein, mein Lieber Du!!
      A wenn’s Gespräch nee lange tauert,
      Bei mier  wird  Huuchdoitsch  doo  gepauert.
       
                                                                       Erhard Gertler
       
       
                  E m  U u s t a r n
       
      Em Uustarn, Kender doas woar schien,
      Wenn mer kunda Sommarn giehn!
      Met’m Sopmmerstecka ei der Hand,
      Sei mer doarch doas Dorf gerannt.
      Fechta* woar doas werkliech nee,
      Die Frääde hoatte halt doas Pree.*
       
      Der Sommersonntiech kamm verbei,
      Rannt mer met a Kloapparn* glei.
      Soanga techtiech,-  moanchmoal schief,
      Die Frääde oaber, die soaß tief.
      Brauchtumspfleeje woarsch a Beßla,
      Derfiere goabs a Zockerneßla.
       
      Ganne mechte iech derzehla,
      Ohne Oich dermiet zo queela,
      Woas ei onser Kenderzeit,
      Die lange schonn zorecke leit, -
      Ons on doamoals Spaß gemacht,
      A, wenn Ihr v‘leicht drieber lacht.
       
      Die Zeit woar ohne Ieberfluß,
      Der Spaß, a klääner Ieberschuß,
      Vu daam woas ons doas Laaba ließ,
      War wääß hoit nooch, wie doas on ies? -
      Drem, doaß Ihr doas a recht verstieht:
      „Derrenerong bleit, - der Spaß vergieht.“
                 
       * Fechta = Betteln
      * Pree    = Vorrang
      * Klappern = Gründonnerstag singen mit Klappern
       
                                                                      Erhard Gertler
       
       
            Problem geleest
       
      Nä, doas Fernsehn! Nä verpocht!
      Ieberoal wird etz gekocht.
      On mei Weib, - mier oavertraut, -
      Hoan se mier schon rään verasaut.
       
      Gemiese schnätt se etza zackiech,
      Gekocht häßt’s danne: „Es wär knackiech!“
      Doas Rezept scheint zo bescheißa,
      ’s Gemiese lett siech erscht nee beißa.
       
      A, doas Flääsch, doas „ Medium,“
      Ies Gummiarabikum.
      Vu der Sooße blooß a Fleckla,
      Doo helft a kä Tiemeansteckla.*
       
      Denn a Broata blooß bekemmt,
      Wenn a ei der Sooße schwemmt.
      „Fluffieche“ Kartoffelpappe,
      Ies fer miech ääne Atrappe.
       
      War zo faul zom Stompa ies,
      Sool’s Kocha loon, doas ies gewieß!
      A die Ausländscha Gewärze,
      Sein doch blooßiech rääne Färze.
       
      Mei Weib on iech, mier sein ons einiech,
      Hoan doas Kochproblem bereiniecht,
      Kocha wetter, wie es woar,
      Ies doch kloar.
       
      *Thymian-Steckla-Stengel
       
                                  Erhard Gertler
       
      N a c h g e d a c h t

      Was ist von Schlesien geblieben? -
      Breslau wurde umbenannt,
      Glatz wird kaum noch mal genannt.

      Den „Schlesischen Streuselkuchen,“
      Andere für sich verbuchen!
      Die „Schlesische Wurst“ ist zwar erstarkt,
      Es gibt sie noch, im Supermerkt!

      Wenn die sich dann nicht mehr rentiert,
      Ist es um sie wohl auch passiert,
      Und was von Schlesien noch „ in ,“ -
      Ist hin. –

      Was sich in’s Heute noch gerettet,
      An das sich Heimattreue kettet,
      Die Sprache und die Tradition,
      Sind nach und nach verschwunden schon.

      Selbst Elend, - Tod, - und manches Leid,
      Verschlang die Zeit. –
      Das Ziel erreicht, - es hieß nur warten:
      „Neu aufgemischt sind dann die Karten!“

      Ein neues Spiel, ein neues Glück!
      Den Blick nach vorn, und nicht zurück!
      Ein Jeder weiß, was dann passiert:
      „ Einer gewinnt! – Einer verliert.

       
                                                   Erhard Gertler
       
       
       Ehrenamt oder Mindestlohn
       
      Die Zweifel gab es früher schon,
      Ist es Ehrenamt, oder Mindestlohn?
      Ist es dieses, oder ist es das,
      Was ist es wirklich, -  wirklich, was?
       
      Wir hatten einst eine Bekannte,
      Die man einfach Tante  nannte.
      Natürlich war sie schon betagt,
      Weshalb als Nachbarin  sie  fragt:
       
      „Kannst  Du nicht, liebes Nachbarkind,
      Die Wäsche  waschen  mir geschwind?
      Und bist du dann für künft‘ge Zeit,
      Zu dieser Arbeit auch bereit?
       
      Es soll Dein Schaden ja nicht sein,
      Nur sauber muß die Wäsche sein!“ -
      Nun gab’s für Beide jetzt die Qualen,
      Was gebe ich Ihr?  Was will sie zahlen?
       
      Es  drucksten beide drum herum,
      Und schlichen um das Thema rum.
      Die Eine nähme gerne was, -
      Die Andere gab nicht gerne was.
       
      Die Tante sprach, es war zum Lachen:
      „Wir wollen’s für fünfzehn Pfennige machen!
      Bist Du zufrieden, sag es mir,
      Ich zahl es gerne Dir dafür!“
       
      Was sollte nun die Waschfrau sagen?
      Der Preis, er schlug ihr auf den Magen,
      Das ganze war für sie ein Hohn,
      Es war nicht mal ein Mindestlohn.
            Erhard Gertler
       
            V e r p r e l l t
       
      Bald habt die Alten ihr verprellt,
      Jene, -  die Euer Nest bestellt,
      Die Euer Fundament geschaffen,
      Mit der Arbeitshände Waffen!
       
      Sie schufen, - was für Euch jetzt da!
      Nur ist es scheinbar nicht ganz klar,
      Das für die Zukunft sie gebaut,
      Wo ihr verächtlich darauf schaut.
       
      Wollt ihr die Zukunft neu gestalten,
      Müßt ihr die Alten  auch erhalten,
      Denn kostbar ist da mancher Rat,
      Für die gewollte Zukunftstat.
       
                                     Erhard Gertle
       
       
      HOFFNUNG
       
      Die Natur hat den Menschen hervorgebracht
      als Krone des Lebens in unserer Welt und
      ihm verholfen zu allumfassender Macht,
      die er auch ausübt, so wie es ihm gefällt.
       
      Er genießt hier ein völlig freies Spiel
      und macht sich die Erde Untertan.
      Versagt bleibt ihm jedoch das hehre Ziel,
      dass er selbst den Tod besiegen kann.
       
      Nicht sterben zu müssen, ist sein uralter Traum,
      dessen Erfüllung er im Geiste wohl erreicht
      in einem ewigen Leben im unendlichen Raum,
      bei einem Gott, der wesenhaft dem Menschen gleicht.
       
      So schuf sich der Mensch die Übernatur
      und den Glauben daran, den er erfand.
      Nur liegt für eine unvollkommene Kreatur
      der Weisheit letzter Schluß im Niemandsland.
       
      Von einem Sein-wie-Gott keine Spur!
      Und was bedeutet das für unser Erdenrund?
      Der Mensch missachtet die Gesetze der Natur
      und stellt allein sein Streben in den Vordergrund.
       
      Nur gerät die Natur zunehmend in Gefahr,
      wenn der Mensch sich anschickt, ihr Herr zu sein.
      Sie ist längst nicht mehr das, was sie einstens war.
      Entsteht aus dem Paradies wohl ein Totenhain?!
       
      den Einsichten des Menschen zählt,
      dass er auch Irrwege klar erkennt
      und so Einen von den Seinen auserwählt,
      der sich bewusst Franziskus nennt.
       
      So bleibt die berechtigte Hoffnung bestehn,
      dass letztlich doch die Vernunft obsiegt
      - ob menschlich oder auch göttlich gesehn -,
      weil hier das Wohl der Menschheit verborgen liegt.
                  Hermann Günzel Juni 2013
       
       
       
           Verschwindende Töne
       
      Mundartliche, - eingefärbte, -
      Von den Ahnen einst geerbte -
      Töne, -  kaum noch anzufinden,
      Weil sie nach und nach verschwinden.
       
      Von wo,- kam dieser Klang doch her?
      Hört man das bei mir nicht mehr? -
      Aufgesaugt im Weltenrausch,
      Ward der Volksgemeinschafts Tausch.
       
      Wenig, - wenig ist zu finden,
      Um die Herkunft zu ergründen.
      Doch, wer dennoch interessiert,
      Merkt nicht mal was da passiert.
       
      Keinen drückt mehr das Gewissen,
      Daß die Wurzel ausgerissen,
      Und nichts Neues eingepflanzt,
      Weil man nur im Heute tanzt.
              Erhard Gertler
       
       
               S c h i p p a r n *
       
      Schipparn woar halt, wie iech määne,
      ‘s Billjardspiela * fer ons klääne,
      Kender, die zofrieden spielta,
      Weil mer ons wie gruuße fiehlta.
       
      Schipparn doas  woar ääne Lost,
      Denn es hoot nee viel gekost.
      Änn grada Boden foand mer glei,
      Datt recht‘ mer ons a Spieltiesch  ei.
       
      Lange wurd nee ieberleet,
      Fix a kläänes Looch gedreht,
      Met’m Oabsoatz vu am Schuck,
      Wurd doas Lechla gruuß genuck.
       
      Woar der Oabsoatz a beschmäärt,
      Ging doas bohr’n doch wie geschmäärt.
      Doas Schippersäckla!  Nä du hei!
      Hott emmer miet derbei.
       
      Danne ging der Wettkampf  luus,
      Änn kromma Fenger braucht mer bluus,
      Dar woar onser Billjardstäcka,
      Denn mier kunda ons nooch recka.
       
      Beim nonderbocka zo daan Kullarn,
      Ließ mer se ei’s Lechla luularn,
      Met äm ganz gezielta Schnipps,
      Die Kullarlan  aus Lähm on Gips.
       
      Der Hauptgewenn, weßt’er nooch doas?
      Waor nee Kugel, bunt aus Gloas.
      Denn wenn die eim Säckla woar,
      Woar ma Sieger! -  Ies doch kloar.
       
      Bescheiden woar mer doch oals Kender,
      Zofrieden , on woll a gesender.
      Wenn ma a känn Reichtum hott,
      Es hoot ons oalles nischt geschott.-
       
      * Mit Murmeln spielen
      * Billard
       
                                         Erhard Gertler
       
       
      Muttersprooche gibt’s blooß ääne
       
      Pauarn larnnt ma vu klään uuf,
      Dremm Ihr Loite paoßt miet uuf,
      Doaß ons nooch moanch Wärtla bleit,
      Hoit a dar verreckta Zeit!
       
      Halft met einfacha Begreffa,
      Onse Nuut miet zo emscheffa!
      Denn woas a weng Kultur nooch woar,
      Wär sost weg, doas ies doch kloar.
       
      Moanches Wärtla doas verstackt,
      Bei a Kendarn Noigier packt.
      Tutt met Frääda miet  a Pauarn,
      Ihr watt doas a nee bedauarn.
       
      Woas met Frääda ma gegaan,
      Doas kemmt wieder watt’er sahn.
      Nischt gieht nee vu ganz allääne,
      Muttersprooche gibt’s blooß ääne.
       
                                                 Erhard Gertler
       
      Der Urlaub vom Häuschen Manne
       
      Ein jeder Mensch ist einmal dran,
      Auch der kleine Häuschen Mann.
      Sehnsüchtig er lang schon wartet,
      Das er in den Urlaub startet.
      Auf den Nägeln scheint’s zu brennen,
      Endlich sich von allem trennen.
       
      Wenn das Häuschen nur nicht wär,
      Fiel es ihm ja auch nicht schwer.
      Doch wer soll’s hüten und bewachen?
      In der Zeit die Arbeit machen?
      Ach, wie lebt der Mietsmann schön,
      Wenn der will, brauch der nur geh’n.
       
      Da den rechten Weg zu finden,
      Ohne hetzen, ohne schinden,
      Ist bei Gott kein Kinderspiel,
      Und verlangt gar manchmal viel,
      Bis der kleine Häuschen Mann
      In den Urlaub fahren kann.
       
      Ist der Hirte erst gefunden,
      Fühlt er sich schon ungebunden.
      Das Wichtigste er schnell noch macht,
      Ordnung wird rundum gemacht,
      Und er jagt und schwitzt und ackert,
      Bis er urlaubsreif gerackert.
       
      Ordnung ist um’s ganze Haus,
      Alles sieht hübsch sauber aus.
      Warum, so fragt er einzig sich,
      Warum genieße ich das nich‘?
      Ausruh‘n könnt ich hier am Ort,
      Aber nein, jetzt muß ich fort.
       
      Die Zeit vergeht, die Zeit geht um,
      Bald schon ist der Urlaub rum.
      Und es wird ihm schließlich klar:
      „Mensch, ich bin schon wieder da!“
      Er denkt so  beim um’s Häuschen geh’n:
      „Zu Hause ist‘s doch wirklich schön.
       
      Was hat das alles für ‘nen Zweck?
      Warum mußt ich eigentlich weg?
      Vorher hab ich mich geschunden,
      Und was hab ich jetzt gefunden? -
      Alles war  sauber , -  Unkraut frei,
      Jetzt ist’s nur eine Wildei.
       
      Wo ist da  des Urlaubs Sinn,
      Die Erholung ist gleich  hin.
      Alles muß ich neu behacken,
      Ich sollte gleich die Koffer packen,
      Nur Urlaub machen, wenn ich’s kann,
      Ich kann’s nur nicht, als Häuschen Mann.“
                                                 Erhard Gertler
       
           Melodienrausch
       
      Melodien die beglücken,
      Jede ganz auf ihre Art,
      Ob in Freude, in Entzücken,
      Wecken was in uns gepaart.
       
      Tausendfach sind die Gefühle,
      Tausendfach Empfindungen,
      Tausendfaches Aufgewühle,
      Tausendfache Bindungen.
       
      Melodiöses Auf und Nieder,
      Rüttelt Menschenherzen auf,
      Findet sich im Leben wieder,
      Und Erinnerung kommt zu Hauf.
       
                                                        Erhard Gertler
       
       
         Laßt die Liebe gelten
       
      Laßt die Liebe wieder gelten,
      Schluß mit dem Familien schelten!
      Gesellschaftsbilder hin und her,
      Etwas läuft gedanklich quer.
       
      Wer nur auf den Mammon schaut,
      Hat gewiß auf Sand gebaut.
      Sand, den schnell der Wind vertreibt,
      Aber nur die Liebe bleibt.
       
      Sie bestimmt den Lebenslauf,
      Liebe! Die gibt niemals auf.
      Trägt in allen Lebenslagen,
      In guten, wie in bösen Tagen.
       
      Sie zerschlägt oft auf die Schnelle,
      Die leicht erdachte, - Ideelle, -
      Konstruierte  -Wirklichkeit,
      Schon in ganz, ganz kurzer Zeit.
       
      Und sie wächst neu aus den Trümmern,
      Ohne sich um das zu kümmern,
      Was dem Ideal gezollt,
      Weil sie so es nicht gewollt.
       
      Liebe wächst in Mutters Schoß,
      Wird sodann unendlich groß,
      Wenn wir weiter sie auch geben,
      In das künftige Menschenleben.
       
                                                         Erhard Gertler
       
             F r ä ä t   O i c h 
       
      Wenn die Sonne ondergieht,
      Em a Oomd on nemme brieht,
      Die Oamsan ei a Bääma senga,
      Tutt doas Hazze rechtiech sprenga.
       
      Deine Welt , du lieber Goot,
      Moanche schiena Oomde hoot,
      Mag se siech a etze streita,
      Hoite, wie zo oalla Zeita.
       
      Es Bleit, beß ei die Ewichkeit,
      Tag on Nacht, fer oalle Zeit. –
      Der Oomd ies doo em noochzodenka,
      Ar Bleck offs Manne wieder lenka.
       
      Der Morja kemmt, met noier Kroaft,
      „Satt zu, doas Frieden ihr etz schoafft!
      Fräät Oich! – Doas nooch Veejel senga,
      Dann watt doas Laaba a gelenga.“
       
       
                                      Erhard Gertler
       
       
       
             Spetznoama
       
      Zom derrennarn sein se gutt,
      Wenn ma se gebraucha tutt.
      Em Gronde ies doas goar nee schlemm,
      Ma kemmt ofte nee dremm remm.
       
      „Nä, verpocht wie hieß denn dar?“
      ’s ies doch lange schon on har,
      Wu ma daan gesahn on h oot.
      Der Noame weg!- Schoockschwäre Not!
       
      Oaber ei daam Henderstiebla,*
      Ies a klä weng nooch geblieba.
      Dengsboms, * hieß ar, fällt mer ei.
      Nä, wie hieß dar werkliech glei??
       
      Haat, doas lett äm kääne Ruhe,
      Ar hott asu a koomsch Getue.
      On asu änn koomscha  Gang.
      „Fretze  hieß ar!“ - Gott sei Dank!
       
      Oaber, ’s bleit bei daam Malhäär,
      Fretze goabs er doch viel mähr?
      Wie sei rechtjer Noame woar,
      Brauch mer nee, doas ies doch kloar.
       
      Sucha brauch mer nemme lange,
      ’s woar halt dar, me’m koomscha Gange.
      ’s woar halt dar, met daam Getue,
      Jeder kennt ‘a ,- on ’s ies Ruhe.
       
                                             Erhard Gertler
       
            W ä h l a   g i e h n
       
      Ihr Loite, gieht ma hoite wähla,
      Tun se ons schonn moanchmoal queela.
      Weil die Sätze nee genormt,
      War’n se einfach emgeformt.
       
      Wiel ma nä sään hääßt doas joa,
      Anderschrem, doas ies doch kloar,
      Säät ma joa, dann hääßt doas nä!
      Asu leest ma doas Columbus-Ää.
       
      Die ganze Sache ies verwerrt,
      Weil ma siech doo leichte errt,
      Werd die Sache glei zor Quoal,
      Ma muuß nooch amoal zor Woahl.
       
      Nä!  Asu a verpochtes Deng!
      Zom Aobstemma woarn  glä zo weng.
      Es langt nee remm , es langt nee nemm,
      Ma kemmt em’s zweete Moal ne remm.
       
      Etza werd ganz klaor gesäät,
      Warde joa, - hoot joa gesäät!
      Die Sache gieht etz emgedreht,
      On se werd  voll’s ganz verdreht.
       
      Haat säät amoal, woas wellan die?
      Em liebsta ging ma gaor nee hie,
      Weil die’s salber scheints nee wessa,! -
      Oam Ende werd ma doch beschessa.
       
      Oaber, - es ies asu wie’s ies,
      Ma lootscht halt hie, doas ies gewieß,
      Macht sei Kreuzla, unbesahn,
      On poaßt druuf woas etz ward war’n.
       
                                             Erhard Gertler
       
      Gutt uufgehooba
       
      Hoattern a gespaort? –
      Oder etwa uufgehoart? –
      A, wenn ons doas nee gefällt,
      Zinsen gibt’s nooch kamm fer’s Geld.
       
      Andere „Produkte“ hoan se,
      Blooß kä Mensch verstiehn on koan se.
      Denn die sein asu verschwoamma,
      Doo koan kä Oos zo Gelde koamma.
       
      Jemand wärsch, dar droa verdient,
      Die Banken wärn’s, werd doo gehiehnt.
      Die baun siech doodervoo Paläste,
      Fer’s Paopier häßts doo: „ Nä weste!!“
       
      Die kenna oaber nee derfiere,
      Doas ganze Geld sein etz Poapiere.
      On die war’n dann oabgeheft,
      Bes die Bank doodroa dersäfft.
       
      Die Akten muuß ma doch verstaun!
      Also hääßt’s äm’s wieder bau’n. –
      Met daan Bauten wird geproahlt,
      Vum Gelde woas de mier gezoahlt.
       
      Sool ma lacha? Sool ma looba?
      Na, onser Geld ies uufgehooba!
      Mier sein fruh, ’s ies vleicht nooch doo,
      Blooß mier hoan halt nischt dervoo.
                                                          Erhard Gertler
       
       
       
       
          Modärnne Kunst
       
      Etz verstieh iech echte Kunst,
      Vu dar hoatt iech sost känn Dunst.
      Bei äm modärrnn gemoalta Belde,
      Bien iech etza ganz eim Belde:
       
      Iss a scheint’s bloos hiegekleckst,
      Me’m Hiesahn doas Verständnes wäxt.
      Woas daam Kinstler doo geroata,
      Muuß ma scheinboar erscht erroata:
       
      „Ies doas datt a Hund dar lääft,
      Dar de met’m Schwanze wääft?
      Oder ies doas gaor n’n Hexe,
      Datte, naaberm decka Kleckse?
       
      Sein doas Borje? - Iss a Haus?-
      Oalles sitt ganz wolkiech aus?
      Datt a Käppla! -  Datt a Pfaard!
      Nu woas ies denn doas bloos haat!?“
       
      Nä, doas Beld ies ganz verschwoamma!
      Tausende Gedanka koamma,
      Wonderschiene, on a Welde,
      Forma siech etz zo am Belde.
       
      Tun met’nander siech verträän,
      Woas der Kinstler äm mecht sään:
      „Ärgend woas watt schoon draus waarn,
      Wenn der lange hiegesahn!“.
                                               Erhard Gertler
       
       
              Nä, satt amoal har
        
      Frieher doocht ma, die ies Erre,
      Die doo lääft doarchs Stoadtgewerre.
      Ma freet siech, met waam redt’n die,
      Die doo loarbert fer siech hie.?
       
      Kä Mensch zo sahn, vanna on henda,
      O a Seita a kä Oas zo fenda!
      Se fuchtelt met a Hända remm,
      Nä, met dar iss werkliech schlemm.
       
      Etza bleit se a nooch stiehn!
      Wiel scheint’s goar nee wetter giehn!
      Säät schonn „Tschiß“ zom dretta Moal!
      Waam doas doo bloos gelda sool? -
       
      Drehtlan hoot se em die Ohrn,
      Die vum Hoalse bes zor Gusche foahrn.
      Etza nemmt se se nooch weg!
      Woas hoot denn doas doo fier änn Zweck? -
       
      Nä, doas Weib! Du lieber Goot!
      Doas woar doch nee Ihr Reckadroht,
      Daan se siech hoot rausgezähn?
      Woas’s oalls gibt! Mecht ma doo sään! -
       
      Etz kemmt vu vanna goar a Moan!
      Dar scheint die selbe Krankt zo hoan? –
      Spektakelt wie doas Weib a remm! -
      Met daan Menscha iss schonn schlemm! –
       
      Asu woas koan em hoit possiearn,
      Gieht ma doarch die Stoadt spoziarn.
      Weßt ma nee seit lamgem schoon,
      Der Mensch hängt bloos oam Telefon. –
                                        Erhard Gertler
       
       
          Zosoammarecka
       
      Reck mer oalle zosaomma,
      Denn mier sein’er nooch viel,
      Zo ner Zoahl ver daam Komma,
      Wenn jeder doas wiel!
       
      Die, die mier verjäät sein,
      Aus ästliecha Ländarn,
      Mier messa vereint sein,
      Sost kenn mer nischt ändarn.
       
      Weil mer wessa woas luus ies,
      Koan’s andersch blooß war’n.
      Denn ääne Zoahl die de gruuß ies,
      Werd nee iebersahn.
       
      Lott die Gedanka a recka,
      Zo ääner Linie die de troi!
      Se war’n oalls ieberbrecka,
      On woas verloarn ies werd noi.
       
      Lott Koltur ons derhaala,
      Die genumma waorn ies!
      Se watt kenftiech ons fahla,
      Doas ies hoite gewieß.
       
      Zosaomma zo recka,
      Ei Zaohla, met Woarta,
      Watt emmer die drecka,
      Die ons ieberhoarta.
       
      A Eisahn watt koamma,
      Wenn a nooch Joahr’n,
      Wieder uuf werd genumma,
      On es gieht nischt verloarn
       
                                                Erhard Gertler
       
      Ein glückliches Jahr 
      Das Jahr geht zu Ende,
      In festlichem Lauf,
      Gleich nach der Wende,
      Taucht der Alltag auf.
       
      Weiter, - ach weiter, -
      Die Erde sich dreht,
      Ob trüb oder heiter,
      Der Zeitenwind weht.
       
      Im Tempo der Stunden,
      In Tag und in Nacht,
      Da werden Sekunden,
      Zu Atomen gemacht.
       
      Einmal inne zu halten,
      Für einige Zeit,
      Die Hände zu falten,
      Dazu sind wir bereit.
       
      Nach innen zu lassen,
      Den Frieden der Welt,
      Doch er lässt sich nicht fassen,
      Weil es scheint’s nicht gefällt.
       
      So hoffen wir wieder,
      Das ist doch ganz klar,
      Und wünschen ganz bieder:
      „Ein glückliches Jahr!“
                            Erhard Gertler
       
       
      Der Erinnerung Zweck
       
      Ihr, die ihr schon verschieden,
      Die ihr gekämpft hienieden,
      - Was keiner kann ermessen, -
      Ihr werdet nun vergessen.
       
      Denn weder Dorf noch Stadt,
      Je einen Platz für euch jetzt hat.
      Das Dorf ist weg, die Stadt ist weg,
      Hat da Erinnerung noch Zweck?
       
      Was für euch ein Recht sein könnt
      -Was jedem anderen Ort vergönnt, -
      Das wurde uns genommen,
      So stellt man fest beklommen.
       
      Denn wo kein Heimatort mehr ist,
      Den Menschen jeder schnell vergisst.
      -        Was soll’s, es war einmal! -
      Wer zählt der Heimattreuen Zahl?
       
      Wo sie gestrebt, wo sie gelebt,
      Das Herz vor Heimatlieb gebebt,?
      Dort wird sie keiner jemals ehren,
      Und einen würd’gen Platz gewähren.
       
      So bleibt uns der Erinnerung Zweck:
      Vergeßt sie nicht, sonst sind sie weg! –
      Und sollten Andere danach fragen,
      Dazu kann keiner dann was sagen. –
                                               Erhard Gertler  
      Händy-Meegliechkeita
 
Gutt doas mier a Händy hoan,
Doaß ma ons erwescha koan.
Ieberoal, off jedem Platzla,
Macha mier a kläänes Schwatzla.
 
Niemandan kenn mier ausweicha,
Sein ieberoal etz zo erreicha,
Mach mier doas Händy amoal aus,
Sei mer aus`m Laaba raus.
 
Die Noigier ies dann nee zo stella,
skennt ääner doch vu ons woas wella!?
Also, sei mer oalle Zeit ,
Zom loarban, zom Empfang bereit.
 
Mier tun ons nemme doo scheniearn,
Asu a Deng miete zo fiearn.
Denka heechstens: Lieber Goot!
Woas dar zo telefoniearn datt hoot!?
 
Der däämlichste Gedanke blieht,
Wenn Äs dermiet verm Groabe stieht! -
Womeegliech iss etz schon poassiert,
Doas Dar mem Jeenseits telefoniert? -
 
                                           Erhard Gertler
 
Der Herrgoot lenkt
 
Die Taaje die warn trieber,
On kerzer, Du mei Lieberr!
Wies halte ies, eim Stundatakt,
Werds Laaba sachte eigepackt.
 
Met jeder Stunde, wenn ma denkt,
Der Wääg zom Himmel siech a lenkt.
s scheint fenster em änn rem zo warn,
Ma deecht, ma kend doas Ende sahn.
 
Doas ies die Zeit em noochzodenka,
Seine Gedanka reckwärts lenka,
Wu ma die Rechnong macha mecht,
Woar oalles gutt, woar oalles recht?
 
Wie oalls geloffa wääs ma etze,
Doas joomarn ies doo a nischt netze,
Ma mußt entscheiden ei dar Zeit,
Die lange hender äm schonn leit.
 
s ging oalla Menscha woll asu,
On doas gibt äm die ennre Ruh.
Ma leet die Rechnong vor beiseite,
Denn sost wär woll a jeder pleite.
 
Ma leet n noie Seite oa,
Ma hofft on bitt, on glääbt a droa,
Oam Ende werd doch oalles gutt,
Weil änn der Herrgoot lenka tutt.
                        Erhard Gertler
 
  
 Nachgeborene....... 
 
Fragt die Oma!
Ihr findet Heimat.
Fragt den Opa!
Ihr findet Heimat.
 
Schaut in die Geschichte!
Ihr findet Heimat.
Schaut in die Jahrhunderte!
Ihr findet Heimat.
 
Schaut in das Heute!
Sie ist nicht mehr.
Fragt den Nachbarn!
- Euer Herz wird schwer.“
                   Erhard Gertler
 
       F o a l l ä p p a l a n
 
Foalläppalan, miecht Ihr die?
Fuderweise, blooß wuhie?
Sein doch gesond, wenn a met Moada,
Sella glä kämm Menscha schoada.
 
Halt die Oarbt! Du hei! - Du hei!
War lett siech off die nooch ei?
Scheela, schneida, on auskärnna,
War tutt hoite doas nooch lärnna?
 
Eim Suppermoarkte, och, wie schien,
Tuns oalle Frichte ieberstiehn!
Ohne Moada, Frichte, - aale,
Kääft ma speeter oder baale.
 
Schlemmer, ies woll moanches Geft,
Oals wenn ma off ne Moade trefft? “
Macht Oappelmus, dar ies gesond,
On beileibe a kä Schond.
 
Ährt, woas vu am Baame fällt,
Es kemmt, a wenn mas nee bestellt.
Machts nee wie die Pechmarie,
Veroarbt die Äppel, ägal wie!
                                Erhard Gertler
 
 
      Schwoalbalaaba
 
Och, Ihr Loite, s ies asu,
Die Häämte leet äm kääne Ruh!
Mier tun nooch emmer oner klaaba,
Fieharn foast a Schwoalbalaaba.
 
Denn mier, die mier off Goot vertraut,
Hoan meist a zweetes Naast gebaut.
Ems Erschte wurd mer ju beschessa,
On ofte iss etz oabgeressa.
 
Mier flieja em die Näster emmer,
Em Aalder werd doas emmer schlemmer,
Mier sucha Halt o jeder Wand,
Weil mier em Grunde doch verbannt.
 
Ma sitt ons doarch die Gejend keejan,
Rieber, - on a nieber seejan.
Derhääme sei mer doo on datt,
On messa doch vu Beeda fatt.
 
Zwetscharn well mer nooch aweng,
Dann ies vergassa halt doas Deng!
On fällt on doas a oossich schwär,
Zom Schluß blein beede Näster lär. “
                   Erhard Gertler
 
 
    Die verletzte Generation
 
Es scheint die Zeit jetzt überschritten,
Das Gestern nicht mehr in der Mitten,
Wohl in der dritten Generation,
Alles längst vergessen schon. -
 
Und dennoch bricht ein Ahnen,
Sich immer wieder bahnen.
Was ist, was war, wie kams dazu?
Es lässt im Inneren keine Ruh.
 
Warum ist soviel Leid geschehn?
Wer es erfährt, will es verstehn.
Möchte begreifen, - ach, - warum, -
Ging man einst so mit Menschen um?
 
Warum wurden sie heimatlos,
Warum wars nur der Einen Los,
Und als gerecht noch angesehn,
Was da geschehn? “
 
Die Generation hat ausgelitten,
Überhört ward alles Flehn und Bitten.
Sie trug mit Demut und Geduld,
Auch mit der Anderen ihre Schuld.
  
                                           Erhard Gertler
Ach, die Zeit
Ach, die  Zeit liegt gar nicht weit,
Hundert Jahr, sind keine Zeit.
Zweihundert und noch viel mehr,
Sind noch gar nicht lange her.
 
Mutters, - Uropas Lebensalter,
Der Geschichte ihr Gestalter.
Sie drückten ihr den Stempel auf,
Mit Geschehnissen zu Hauf.
 
Doch im Nachhinein betrachtet,
Von uns allen kaum beachtet:
Tja! - Die Zeit war eben so,
Heut nicht mehr, und wir sind froh.
 
Doch in den Entwicklungsspannen,
Verbirgt sich was sie einst begannen.
Fundamente die sie legten,
Sind es, die die Welt bewegten.
 
In der Hektik unserer Tage,
Ein Ahnen nur, ein Spüren, - vage. “
War es nicht schon immer so?
Nein, nicht immer, - ach! Ach, so.
 
                               Erhard Gertler
 
Stiftung - Freude
 
Freue Dich, Volk vom Glatzer Lande!
Freue Dich am treuen Stande,
Wenn ein Platz gefunden ist,
Wo man Deine Schätze mißt!
 
Freue Dich, wenn die letzte Habe,
Bewahrt wird vorm Geschichte-Grabe,
Mit Heimattreue und viel Mut,
Das tut Deiner Seele gut.
 
                   Erhard Gertler
 
Schmerzlicher Verlust
 
Ostdeutsche Mundarten,
Nun seid ihr verraten,
Nun seid ihr verkauft,
Weil  wenig gebraucht.
 
Im Beliebtheitsmessen,
Völlig vergessen,
Der Dialekt ohne Land,
In die Ecke verbannt.
 
Von der Zeit eingeengt,
Der Geschichte verdrängt,
Und keiner will wissen,
Ob wir sie vermissen.
 
Laßt die Mundart nicht sterben!
Gebt sie weiter den Erben!
Gebt sie weiter mit Herz!
Der Verlust ist ein  Schmerz. “
 
Eine Kultur segelt schief! -
Nur der weiß wie tief,
Sie im Inneren  brennt,
Der die Mundart kennt. -
                   Erhard Gertler

 
 
 
Zeugen einer Zeit
 Wir tragen sie  zu Grabe,
Die letzten unserer Habe,
Die Menschen, Zeugen einer Zeit,
So wird die Welt von Schuld befreit.
 
Seit Jahren schon, so Stück für Stück,
Durch Vorwärtsdenken, - nicht zurück.
Im Zukunftsdenken liegt der Zweck!
- Wo, im Gewesenen ist der Gag- ?
 
So fragt der Mensch, der so verblendet,
Doch  oft hat alles sich gewendet,
Hat Wurzelkraft sich offenbart,
Um das Gewesene sich geschart.
 
Gefühle sind dann aufgetan,
Sie schreien laut und klagen an,
In aufgewühlten Stunden:
Warum verheilen nicht die Wunden?
 
Warum trotz ruhelosem Treiben,
Muß alles auf der Seele bleiben?
Warum will man davon nichts erben,
Wenn Zeugen sterben?
 
                                    Erhard Gertler
 
Offm Kärchhofe
 
Wenn Franze amol eis Nockwerdorf kemmt,
do denkt ar o ääs ganz bestemmt,
doaß ar zom Groabe seiner Mutter gieht,
a Gebaatla sprecht on zom Rechta siehtt.
 
Wie er ämol wiell wieder off häämzu giehn,
siehtt ar bei äm Groabe änn Moann datt stiehn,
da verr siech hie joomert on kläät:
Mier bleit oalles Glecke versäät,
 
seit du da Welt a Recka gekehrt.
Mei Laaba ies ganz on goar zerstärt!
Wärscht du noch do, es ginge mier gutt;
Oaber asu gieh iech baale woll kaputt!
 
Franza tutt doas Häffla Elende lääd,
ar gieht hie zo dam Moanne on säät:
Änn lieba Menscha tun sie do beklään:
Asu woas ies monchmol schwer zo erträän.
 
Ihrn Schmerz koann iech gutt verstiehn,
oaber es muß halt wieder wätter giehn!
War ies es denn, da do eim Groabe leit?-
Es tauert eine geraume Zeit,
 
bes dar geploochte Mann zor Ruhe fend
on wieder a besla Zutrauen gewennt.
On dann erfährt es Franze ganz genau:
Hier leit der erschte Moann vo meiner Frau!
 
                                             Hermann Günzel
    
Die Sage vom Raubschlosse auf
dem
Quingen-Berge
bei Volpersdorf.
 
In Volpersdorf stand einst ein Schloß
das finsterer Wald bedeckte
Worin ein wilder Räubertroß
Verwegene Pläne heckte.
Doch trieben diese kühnen Leute
Das Räuberhandwerk fern im Land
Und lebten hier von ihrer Beute,
Den Gaubewohnern unbekannt.
 
Bewohnet war erst dazumal
Des Dorfes Teil gen Westen
Gefüllet noch das ob´re Tal
Mit Wäldern und  Morästen.
 
Wie arm die Leute sonst auch waren
So wallte Sonn “ und Feiertag
Das Dörflervölklein Paar bei Paaren
Ins Kretschmerhaus zum Lustgelag.
 
So ließen, was sonst nie geschehn,
Des Nachts bei Jubelstunden
Sich manchmal fremde Stutzer sehn
Die wieder still verschwunden.
 
Gemächlich wurden sie bald freier,
Sie zechten brav “ bezahlten gut “
Und tanzten bei Schalmei und Leier
Ganz unbesorgt mit frohem Mut
 
Im Löwengrund gab´s eine Magd
Beim Müller, schön vor allen,
Die hat, wie uns die Kunde sagt,
Den Fremden bald gefallen,
Man überhäufte sie mit Bitten,
Sie möge doch mit ihnen gehen
Nach ihrer Heimat schönen Hütten
Und schenkten Gold ihr, bei dem Flehn.
 
Die Dirne, Räuber ahnend, bat
Bei so bewandten Sachen
Den Brotherrn um geneigten Rat,
Was hier doch sei zu machen.
Geheim ward nun herbeigezogen
Beratend mancher kluge Mann.
Man fasste endlich wohlerwogen,
Für die Entdeckung einen Plan.
 
Man hieß der Dirne: In so fern
Die Fremden wiederkehren,
Sollt` zögernd sie den saubern Herrn
Den frechen Wunsch gewähren.
 
Es ward gelobt, ihr beizustehn,
Nur zeichnen musste sie den Pfad,
Den man mit ihr nun würde gehen
Und den man ihr zu folgen hat.
 
Der nächste Sonntag kommt heran,
Man tanzte ohne Sorgen
Gerüstet hat sich jedermann;
Die Waffe war verborgen.
 
Ganz frei und ahnungslos erschienen
Nun auch die unbekannten  Herrn,
Umringten stets mit süßen Mienen
Das Mädchen kosend nah und fern.
 
Die dreisten Wichte wagten laut,
Den Antrag zu erneuen
Und schlau schien sie, mit ihn`n vertraut,
Den Gang nicht zu bereuen.
 
Gab vortgeh`nd aber ganz verstohlen
Den Dörflern einen leisen Wink.
Macht mit den Herrn sich auf die Sohlen,
Empfahl sich Gott getrost und “ ging.
 
Vergessen war das Lustgelag, -
Man griff zu Spieß und Keule
Und folgte den Entführern nach
In wohlbedachter Eile.
 
Die Dörfler fanden nach Verlangen
Die Spur- und alles war erfreut
Die Magd hat, wo der Zug gegangen
Mit Erbsen hie und da gestreut
 
Jetzt nun verfolgte man die Spur
Durch Sumpf, Gebirg und Klippe,
Man kroch auf ungebahnter Flur
Durch Heck` und Waldgestrippe.
 
So langten nun die wackren Sbirren
Auf steilem Hochgebirge an,
Doch fast ergriff sie  jetzt Verwirren,
Als sie ein Schloss hier vor sich sahn.
 
Da flüstert`s leise durch die Schar.
Ist`s Mädchen noch am  Leben,
So muß sie wies beredet war,
Uns doch ein Zeichen geben.-
 
Und näher schlichen sich die Leute
Dem unbekannten Aufenthalt,
Gefaßt war alles schon zum Streite,
Als rufend eine Stimm erschallt.
 
Es war die Heldenmagd, sie lief,
Weil ihr so peinlich bange,
Ans Fenster hin und rief
Zu Zeichen, ach so lange! -
 
Der Räubertroß entbrach in Lachen:
Wird, Dirne, dir die Zeit zu lang?
Wart, wollen dir sie kürzer machen,
Sonst wirst du uns vor Heimweh krank.
 
Siehst du die Sag´ für Fabel an
-Wie viele ihresgleichen -
Geh´ steig den Quingen-Berg hinan,
Du findest noch die Zeichen
 
Vom alten Raubschloß im Gesteine
Und suchte man mit Hack´ und Spat´
Man fänd´ vielleicht noch die Gebeine
Derer, die man erschlagen hat.
 
Wie wenn Orkan tobt durch den Wald
Nach friedlich hehrer Stille,
So stürzt aus ihem Hinterhalt
Die Schar mit Sturmgebrülle.
 
Zerschmetterte der Tore Riegel
Und drang durch jede Öffnung ein.
Der Tod schwang seine dürren Flügel,
Der Waffenklang durchdröhnt den Hain.
 
Nach dem gemach vom ersten Schreck
Die Räuber sich entraffen,
So schwingen auch sie mutig keck
Toddrohend ihre Waffen
 
Jedoch die rüst´gen Dörfler siegen;
Die Räuber werden hingestreckt-
Tod mussten sie vor ihnen liegen,
Der Boden raucht, von Blut bedeckt.
 
Im Kampfe war die Dirn entfloh´n,
Weshalb man sehr in Sorgen,
Schon ruft man sie im Klageton,
Doch hat sie sich verborgen,
 
Und überrascht dann ihre Leute
Die freudig ihr entgegenschrei´n.
Dich, Dirne soll von diesem Streite
Der größte Nachruhm stets erfreu´n.
 
Zerstöret ward bis in den Grund
Sogleich die Räuberfeste,
Und in des Tales tiefen Schlund
Gestürzt die Überreste. -
 
Der Ruf: Die Räuber sind bezwungen!
Ertönte bis ins nahe Land;
Der Ort, wo dieser Sieg errungen
Wird heut noch Quingen-Berg genannt.
                                                   Hans Kastner
 
Wenn jemand etwas zu dem Gedicht der Quingenburg von Volpersdorf wissen möchte. Hier einige verkürzte Zeilen,
aus der Neuroder Chronik:
Vom Annaberg in Neurode kommt ein alter Weg herunter, er wurde im Volksmund Höllenweg genannt. (Hellweg oder auch Heerweg). Er findet jenseitz von Volpersdorf und Köpprich seine Fortsetzung. Dort steht auch ein Höllenberg. Es muss in dieser Richtung ein Verbindungsweg vom Braunauer Ländchen über die Neuroder und Volpersdorfer Gegend nach der schlesischen Ebene gegangen sein. Er führte an dem Quingenberge (-Zwingburg ? ) vorbei, auf dem eine  Ritterburg stand. Ausgrabungen der Lehrer Gallant und Schlums führten tatsächlich Überreste eines Bauwerks zutage. Auch auf der Schlesischen Seite des Gebirges ist auf den Karten ein Burgberg und ein Burggrund eingezeichnet. Von der Zwingeburg und ihrer Zerstörung durch die Volpersdorfer Bauern weiß aber sonst nur die Sage, keine einzige Urkunde.
 
Schlechtes Water
Wenn Storm braust dorch die Bääme,
on der Rään klatscht o die Scheiba,
do ies´ bei äm selcha Treiba,
om besta, ma bleit derhääme!
A worma Uufa ei sämm Recke,
Raach ausm Pfeifla em die Noase,
a guudes Träppla ei sämm Gloase -
do wird´s  säusche Water zom Glecke!
                               Hermann Günzel
               Waldgrund
Oos  Eulagebärge  oageschmiegt,
ganz verstackt ei  äm Puuschwenkel liegt
a winzich Därfla; Waldgrund genannt;
es poaßt asu rechtich eis Glotzer Land.
 
VoGoarta emgahn die Häuser datt stiehn;
Em Hange lang siech stänige Felder ziehn.
Bächlan rauscha vo a Barga roa
On plätscharn dorch soaftige Toalwiesa  noa.
 
Eim Sommer vo Bluma ieberseet, eim
Wenter mit Schnie zugeweht,
eim Herbste recht bunt, eim friehjoar freschgrien:
Eim Waldgrunde ies es emmer schien.
 
Aach dann, wenn amol der Stormwind braust
On wie a Welder ei a Pescha haust;
wenn`s gewittert  mit oaller Gewalt,
doaß es ei a Barga  grausig widerhallt,
 
wenn die Sommerhetze oalles versengt
oder grimmige Kälde onder die Nääle drengt,
wenn´s techtich räänt oder die Sonne lacht,
wenn´s naablich ies oder sternkloare Nacht.-
 
Zom Laaba datt gehärt oalles derzu:
Der heftige Storm, die friedliche Ruh,
die Wentersnuut, oaber aach´s Wachsa ons Bliehn,
eim Waldgrunde ies es halt schien!.
                               Hermann Günzel

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